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„Die Hexen von Oz“ öffnen die Pforten zum Zauberreich – Blick hinter die Kulissen beim Musical „Wicked“

Der Umbau des Stuttgarter Palladium Theaters läuft auf Hochtouren, dennoch stellte diese Tatsache kein Hindernis dar, um geladenen Pressevertretern einen ersten umfassenden Einblick in die Phantasiewelt des Musicals „Wicked“ zu gewähren.

Gerade einmal einen knappen Monat hat die gesamte Crew des Theaters Zeit, um das Theater auf das neue Musical vorzubereiten. Kaum vorstellbar, dass am 15.11.07 alle Räumlichkeiten in neuem Glanz erstrahlen werden, denn der Anblick des Foyers sowie der Bühne und des Theatersaales ist eher ernüchternd. Mit einer phantastischen Welt voller Hexen und Zauberern hat dies noch nicht viel gemein – so muss jeder Besucher aufpassen, dass er nicht über Leitern, Farbeimer oder Bretter fällt und auf der Bühne herrscht richtige Gefahr, da man durch das dunkle Licht kaum das Ende der Bühne erkennen kann und somit, bei Unachtsamkeit, ein Sturz in den Orchestergraben unvermeidbar wäre.

Doch genau dieser Anblick zeigt, wie viel Arbeit hinter dem Aufbau einer Musicalgroßproduktion steckt. Jeder Handgriff muss sitzen, jeder Mitarbeiter stellt einen wichtigen Teil des Gesamtwerkes dar.

Der Blick hinter die Kulissen von „Wicked“ machte seinem Namen alle Ehre. In der Kostümabteilung wird mit Hochdruck an den märchenhaften Kleidern gearbeitet. Jeder Handgriff muss hier sitzen. So hat das berühmte hellblaue „Bubble“ Kleid der blonden Hexe „Glinda“ 45 Lagen Stoff, dazu wurden alle Pailletten per Hand aufgenäht, hierbei dauerte alleine die Arbeit an einem bestickten Teil zwei Tage! 30 Meter Tüll dienen als Unterrock, um das Kleid in Form zu bringen – die Kostümbildner arbeiten seit Anfang Mai alleine an diesem Kleid, welches letztendlich zu einem strahlenden Meisterwerk avanciert und ein Highlight der Show darstellt – hierbei schwebt die Hexe in einer großen Kugel von der Bühnendecke in den Saal, dabei umrahmen Seifenblasen das Bauwerk – so erklärt sich auch der Name des Kleides.

Jana Stelley, die als Zweitbesetzung der „Glinda“ auf der Bühne steht, äußerte sich, dass man sich wie eine Prinzessin fühle, wenn man dieses Kleid trägt. Insgesamt hat Glinda sechs verschiedene Kostüme, die alle Unikate sind. Das meiste Gewicht hat jedoch unangefochten das blaue „Bubble“ Kleid – es wiegt ca. 10 Kilogramm.
Die Anprobe, das sogenannte „Fitting“, findet pro Darsteller bis zu 4 mal statt, ehe die Kostüme richtig passen und bühnentauglich sind!
Danach müssen die Künstler auch in den Kostümen proben, um zu lernen, wie man mit ihnen richtig umgeht.

Insgesamt wurden 299 Paar Schuhe sowie rund 580 Kostüme gefertigt, die von 12 Dressern allabendlich bereit gestellt werden – perfekt parat für den Einsatz auf der Bühne.

Doch nicht nur die Kostüme wurden derart aufwändig gefertigt, auch die Perücken, rund 80 Stück, die für „Wicked“ angefertigt wurden, entstammen mühevoller Handarbeit.
Denny Stoi, der stellvertretende Chefmaskenbildner, präsentierte das Knüpfen einer Perücke – dass man rund 40 Stunden an einer Echthaarperücke arbeitet, ist für die Maskenbildner des Hauses nichts Neues mehr, für jeden Fachfremden allerdings eine Herausforderung schlechthin! Das Haar wird von Haarveredelungsfabriken aus Indien bezogen, da die Damen dort sehr kräftiges und glattes Haar besitzen, welches sich leichter verarbeiten lässt. Man benötigt pro Perücke gut 200-300 Gramm Haar, darum kostet solch ein fertig gestelltes Werk auch rund 600 – 800 Euro!

Auch die Techniker arbeiten unter Hochdruck – Michael Bossmann (Technischer Leiter) gewährte einen Einblick in die Arbeitsgalerie im 3. Stockwerk. Der Gang über die Bühne war in Schwindel erregender Höhe nicht für jedermann. Das gesamte Set, also alle Kulissen, wurden außerhalb des Theaters angefertigt und erst nach und nach ins Palladium Theater transportiert. Hierbei ist der Affenkäfig eines der schwersten Bauwerke – „Er muss einfach stabil sein, da die Darsteller oft darauf herumturnen und die kleinste Unachtsamkeit beim Bau würde fatale Folgen haben“, so Michael Bossmann.
Rund 150 Boxen sorgen im Theatersaal für optimalen Sound – der Zuschauer wird von allen Seiten beschallt. Ein weiterer Komfort für das Publikum stellen die neuen, extra eingebauten, Sitze dar, die im typischen „Stage Entertainment Rot“ erstrahlen. Wer das Theater noch aus Zeiten der Musicals „Die Schöne und das Biest“ oder „Das Phantom der Oper“ kennt, wird die Logen an den Seiten vermissen. Diese wurden bereits seit der Premiere des Stückes „MAMMA MIA“ entfernt und bleiben nun auch bei „Wicked“ fern.

„Während der Show“, so Bossmann weiter, „sind stets 6 bis 7 Personen oberhalb der Bühne tätig. Einer achtet zum Beispiel darauf, ob Geräusche zu vernehmen sind, die nicht sein sollten.“ An extrem kritischen Stellen des Bühnensets sind Infrarotkameras angebracht, die alles aufs kleinste Detail hin überwachen. Es darf einfach bei einer Großproduktion nichts schief gehen. „Wir haben ein großes, internationales Team und dennoch funktioniert die Arbeit perfekt! Unser gemeinsames Ziel ist es, dass Wicked zu einem einmaligen Erlebnis für den Zuschauer wird!“

Als besonderes Highlight durften alle Anwesenden noch einer Probe der gesamten Cast auf der Probebühne des Apollo Theaters beiwohnen. Die Proben finden im Nachbartheater statt, da einerseits die Bühne des Palladium Theater durch den Umbau noch nicht richtig einsatzfähig ist und andererseits diese Bühne im unteren Stockwerk des Apollo Theaters stets für alle Proben genutzt wird.
Obwohl die Darsteller noch keine Kostüme trugen, war der Anblick faszinierend. Kaum gab der Dirigent das Zeichen für die nächste Szene, schlüpften alle Darsteller sofort in ihre Rollen und sangen voller Emotionen die Lieder des Musicals. Dass auch akrobatische Einlagen in Wicked nicht fehlen, zeigten die „menschlichen“ Affen, die sich an Gerüsten entlang hangelten.

Als Resumée dieses Tages kann man wirklich sagen, dass die Vorbereitungen für das Stück eine Herausforderung für alle Beteiligten sind. In jeder Abteilung wird mit Hochdruck gearbeitet, Fehler dürfen keine passieren, da dies einen fatalen Rückschlag für alle bedeuten würde. Der Zuschauer sieht als Endresultat nur die Darsteller auf der Bühne sowie das fertige Bühnenbild, doch die eigentlichen Macher, die Leute hinter den Kulissen, sind letztendlich während der Vorbereitungszeit die eigentlichen Hauptdarsteller! Jeder Einzelne stellt einen wichtigen Teil dar, der sich letztendlich zu einem Gesamtbild zusammenfügt.
Die Motivation und Ausdauer der Menschen ist beeindruckend – alle setzen sich für ein Ziel ein, nämlich dass Wicked lange in Stuttgart laufen wird. Ob jedoch die Magie und Mystik der Hexen von Oz alle verzaubern wird, das kann jetzt noch keiner sagen. Doch eines können sich die Menschen hinter den „Masken“ nie vorwerfen: Dass sie nicht ihr Bestes gegeben hätten!



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