Hauptmenü
Musicals > Rebecca Wien
„Rebecca, wo du auch immer bist…“ – das Musical „Rebecca“ verabschiedet sich (vorübergehend) aus Wien – oder Wienreise Teil 2
Dass viele von uns Musicalfriends begeisterte „Rebecca“ Anhänger sind, dürfte längst kein Geheimnis mehr sein! So war es absolut verständlich, dass sich ein kleineres Grüppchen vom 27.-29.10.07 nochmals auf die Reise nach Wien begab. Die Stadt an sich stand nicht mehr im Vordergrund – viel mehr ging es darum, dieses wunderbare Musical noch einmal zu erleben, ehe es in die rund halbjährige Pause geht! Des weiteren gelang es uns auch, eine der begehrten Backstageführungen zu erhalten, diese werden ansonsten nur dem österreichischen Musicalclub angeboten, dabei sind sie derart interessant und ausführlich, dass jeder einmal einen Blick hinter die Kulissen des Raimund Theaters werfen sollte!
So hatten wir am Samstag, den 27.10. einen gemeinsamen Showbesuch angesetzt – die Show war übrigens komplett ausverkauft – und danach gab es noch ein gemütliches Treffen beim Italiener „Al Teatro“! Dazu gesellte sich noch der Darsteller des „Ben“ Norberto – dieser hatte viel zu erzählen und interessierte sich sehr für uns und unseren Club.
Ein besonderes Highlight gab es jedoch noch zuvor im Theater: Alle Hauptdarsteller bekamen die Patenschaft für eine ganz besondere Orchidee überreicht, die man auf den Namen „Rebecca“ taufte. Wer „Rebecca“ bisher noch nicht gesehen hat oder meint, es würde sich nicht lohnen, der sei eines Besseren belehrt – dieses Stück schlägt einige Musicals um Längen - es ist packend, spannend, mysteriös und dennoch einfühlsam – man fiebert mit allen Charakteren mit – hier noch ein allgemeiner Rückblick, bezüglich des Musicals:
Als am 28. September vergangenen Jahres das Musical „Rebecca“ im Wiener Raimund Theater seine Uraufführung feierte, war nicht absehbar, ob die Thematik des Stückes den Nerv des Wiener Publikums sowie der Touristen treffen würde. Rund ein Jahr nach der Premiere lässt sich eine erste Bilanz ziehen, die durchaus positiv ausfällt.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Daphne du Maurier entwickelte das Erfolgsteam der Musicalbranche Michael Kunze (der u.a. bereits Texte für das Musical „Elisabeth“ sowie aktuell für „Wicked“ schrieb) und Sylvester Levay (Komponist) ein komplexes Werk, das dem Roman sowie dem Hitchcock Filmklassiker „Rebecca“ in nichts nachsteht.
Die Handlung an sich spricht wohl mehr das weibliche Publikum an – jedenfalls ist die Frauenquote der Besucher allabendlich deutlich höher anzusiedeln als die der Männer. Doch diese Tatsache ist nicht negativ zu interpretieren, letztendlich spricht „Rebecca“ mehr die Emotionen der Menschen an und da dürften die Damen wohl etwas empfänglicher sein.
So steht auch im Mittelpunkt der Geschichte ein junges Mädchen, das jedoch bewusst keinen Namen erhalten hat und nur „Ich“ genannt wird. Vergleicht man diese Tatsache mit dem Roman und dem Film, so blieben Kunze und Levay dieser Vorgabe treu. Maxime de Winter, der sich in die junge „Ich“ in Monte Carlo verliebt, trägt ein dunkles Geheimnis mit sich – er verlor auf mysteriöse Weise seine Ehefrau Rebecca, die äußerlich sowie innerlich ein völliges Gegenteil zur schüchternen „Ich“ darstellte.
Maxime de Winter wird auch nach einem Jahr noch von Musicalstar Uwe Kröger verkörpert. Kröger, der bisher in vielen namhaften Produktionen die Hauptrollen spielte, erhielt in diesem Stück eine wirklich passende Rolle. So brillierte er längst nicht in all seinen Darbietungen und so manch ein Kritiker sprach bereits von Überschätzung, doch in „Rebecca“ trifft Kröger genau ins Schwarze. Man glaubt ihm den verbitterten Mann, der letztendlich „Rebecca“ ermordete und im Meer versenkte. Sein Geständnis, das in dem Lied „Kein Lächeln war je so kalt“ erläutert wird, ruft bei den Zuschauern große Emotionen hervor, da Uwe Kröger sich hier so in seine Rolle versetzt, dass er tatsächlich Tränen in den Augen hat und beinahe zusammenbricht. So erhält er viele Pluspunkte, die ihn zu einem würdigen Schauspieler und auch dem Sänger macht, den so viele noch vor Augen haben, als Kröger seine Paraderolle, den „Tod“ aus „Elisabeth“ spielte.
Das „Ich“ spielt seit der Premiere die Niederländerin Wietske van Tongeren – für sie ist Wien kein Neuland, da sie bereits als „Elisabeth“ im Theater an der Wien zu sehen und hören war.
Wietske van Tongeren ist kein klassisch schöner Hollywoodstar-Typ, doch das ist gewollt von den Machern des Musicals, da die „graue Maus“, wie sie von „Mrs. Van Hopper“, der sie zu Beginn des Musicals zu Diensten ist, passend bezeichnet wird, den anscheinend größten Triumph erlangt, die Heirat mit dem begehrten Mr. De Winter! Van Tongeren besticht eindeutig durch ihren Gesang – ihre klare Sopranstimme zeigt im gesamten Musical keinerlei Schwächen. Sie harmoniert perfekt mit Uwe Kröger sowie mit Susan Rigvava-Dumas, die als strenge Hausdame über De Winters Landsitz „Manderley“ wacht und Rebeccas private Zofe war.
Susan Rigvava-Dumas ist prädestiniert für strenge Rollen, so verkörperte sie im „Phantom der Oper“ die „Madame Giry“ oder in „Elisabeth“ die beherrschende Mutter Franz Josefs.
Im Laufe der Spielzeit wurde sie zum gefeierten Star des Musicals – so gehört es zu der allabendlichen „Ordnung“, dass Rigvava-Dumas mit Blumen überhäuft wird. Ein Verehrer brachte sogar einen Strauß mit rund 80 Rosen!
Obwohl sie als Mrs. Danvers die dunkle Seite des Musicals verkörpert, wird sie vor allem durch ihre Präsenz und ihre ausdrucksstarke Stimme bewundert – der Titelsong „Rebecca“ wird insgesamt vier Mal in verschiedenen Textfassungen von ihr gesungen – die Wiederholung von Motiven gehört übrigens zum typischen Stil von Levay und Kunze. Im Laufe des Abends hört der Zuschauer diverse Songmotive stets wieder, so merkt man sich diese und wird auch noch nach dem Musicalbesuch von ihnen verfolgt. Eine geschickte Taktik, um die Lieder einzuprägen und außerdem diese den Zuschauern noch näher zu bringen – man könnte dies als den berühmten „Ohrwurmeffekt“ bezeichnen. Insgesamt wird ein breites musikalisches Spektrum in „Rebecca“ abgedeckt – von einfühlsamen, melodiösen Balladen (u.a. Ich hab geträumt von Manderley, Zeit in einer Flasche), über volkstümlich anmutende Ohrwürmer (Die neue Mrs. De Winter, Wir sind Britisch) bis hin zu großen Musicalsongs (I´m an American Woman, Eine Hand wäscht die andre Hand, Sie ergibt sich nicht).
„Rebecca – wo du auch immer bist“ – stellt eine richtige Hymne dar, die sich wie ein roter Faden durch das Musical zieht. Sobald das Lied erklingt, bekommt man als Zuschauer eine richtige Gänsehaut, man könnte sogar fast meinen, der Geist von Rebecca schwebe über der Bühne des Theaters. Etwas befremdlich ist durchaus, dass die Hauptfigur des Musicals, nämlich „Rebecca“ selbst, niemals anwesend ist, weder auf einem Bild, noch als Einspielung, ja nicht einmal als Schattengestalt. Natürlich bleibt die Frage offen, ob es nicht noch gruseliger wäre, wenn eine Art Schattenscherenschnitt Rebeccas dem Publikum präsentiert würde, doch hier wäre dann jegliche Illusion dahin. So kann sich jeder Anwesende sein eigenes Bild der grausamen Rebecca machen und dies ist auch so beabsichtigt.
Dass „Rebecca“ im historischen Raimund Theater gespielt wird, ist kein Zufall. Das nach dem österreichischen Dramatiker Ferdinand Raimund benannte Theater wurde im Jahr 1893 von einem Verein von Wiener Bürgern gegründet. Erst wurden vorwiegend Operetten aufgeführt, das Haus überstand sogar den 2. Weltkrieg unbeschadet, doch der Erfolg blieb nach und nach aus. Erst nachdem der berühmte Schauspieler Peter Weck die Intendanz übernahm, beschritt dieser neue Wege. Er wagte das Unmögliche und führte das Musical „Cats“ im Raimund Theater auf. Spott und Kritik verfolgte ihn, doch zum Trotz aller wurde „Cats“ ein großer Erfolg und lief 7 Jahre erfolgreich in Wien, die rund 1200 Plätze des Theaters waren stets gefüllt. Das „Phantom der Oper“, „Elisabeth“, „Jesus Christ Superstar“, „Romeo und Julia“ und nicht zu vergessen der berühmte „Tanz der Vampire“ feierten Uraufführungen in diesem Theater. Auch in Zukunft wird das Raimund Theater in Wien der zentrale Anlaufpunkt für Musicals sein. So verwundert es niemanden, dass auch im kommenden Jahr, nach dem kurzen Gastspiel des Queen Musicals „We will rock you“ (Start Februar 2008 bis Juli 2008) das Musical „Rebecca“ wieder Einzug ins Raimund Theater hält!
Die Erfolgsstory geht also weiter – jedoch nicht in Deutschland, obwohl sich das deutsche Publikum wahrlich über ein derartiges Musical freuen würde. Nicht jedem liegen Produktionen im Stil von „MAMMA MIA“ oder eben „We will rock you“, bei denen bekannte Hits mit einer fiktiven Story verknüpft werden.
Es fehlen hier meist Tiefgang und Phantasie.
„Rebecca“ ist ein Krimi, der seinesgleichen sucht. Eine spannende Handlung, gepaart mit beeindruckenden Kulissen und Bühnenbildern – zu erwähnen sei das Finale des 2. Aktes, bei dem der Landsitz Manderley komplett abbrennt – der Effekt des brennenden Hauses ist so realistisch, dass der Zuschauer tatsächlich denkt, das Theater brenne. Es wird mit echtem Feuer gearbeitet, so enthält die große Treppe Manderleys im Geländer brennbaren Spiritus, der an dieser Stelle des Musicals entzündet wird, Flammen lodernd läuft ein Stuntdouble von Mrs. Danvers über die Bühne – diese Szene wird stets von Feuerwehrleuten überwacht – auch muss das Double schnellstens gelöscht werden, da der feuerfeste Anzug (eine Replique von Rebeccas Nachthemd) nach allzu langer Zeit durchlässig wird und so auch Darsteller und Crew gefährdet wären!
Weiterhin erwähnenswert ist die große Drehbühne, die man noch herablassen kann, so dass Treppe und Darsteller nach unten verschwinden und den Zuschauern perfekte Illusionen bereitet werden. Illusionen entstehen auch durch die präzise eingesetzten Einspielungen von Häusern, Landschaften etc. über Beamer, die im Saal angebracht wurden.
Das Raimund Theater ermöglicht all diese spezifischen Voraussetzungen für das Musical – die Bühne wurde erst vor ein paar Jahren erweitert, so ist die bespielbare Fläche und die Seitenbühne größer als in manch anderen Theatern.
Zu guter Letzt bleibt nur die Frage offen, ob bei der Wiederaufnahme im kommenden Jahr dieselben Darsteller auf der Bühne stehen werden oder ob eine komplett neue Cast das Wiener Publikum erobern möchte. Bei Rebecca wäre der Spruch „Never change a winning team“ wünschenswert. Da alle Rollen von so starken Charakterdarstellern besetzt sind, ist es eine wahre Freude, diese live erleben zu dürfen.
Bis zum 30.12.07 können jedenfalls die Zuschauer noch größtenteils die Premierencast auf der Bühne des Raimund Theaters begutachten, danach hat „Rebecca“ erst einmal eine wohlverdiente Pause. Momentan ist das Theater allabendlich ausverkauft und der Run auf die Stehplätze ist so groß, dass sich Schlangen vor dem Theater bilden. Ein gutes Zeichen dafür, dass „Rebecca“ noch einige erfolgreiche Jahre vor sich hat und wer weiß, vielleicht schwebt Rebeccas Geist auch einmal in Richtung Deutschland und sorgt so dafür, dass auch dem deutschen Publikum diese mysteriöse Dame unvergesslich bleibt!
Als Schluss lässt sich nur eines sagen
„Rebecca“ – dein Geist hat uns verzaubert – wir kommen wieder!!