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Künstler und Konzerte











Eurovision Song Contest Special bei den Musicalfriends:
Russland gewinnt den ESC 2008
Der Eurovision Song Contest 2009 findet in Moskau statt. Der Russe Dima Bilan holte sich in seinem zweiten Anlauf den Sieg. Für seinen Song "Believe" bekam er die meisten Stimmen. 2006 trat Bilan zum ersten Mal beim ESC an und musste sich den Finnen geschlagen geben. Über den zweiten Platz freute sich in Belgrad Ani Lorak aus der Ukraine, die Griechin Kalomira kam auf den dritten Rang. Die No Angels landeten abgeschlagen auf dem 23. Platz.
Nach zwei Wochen der Proben, zwei Halbfinalshows, jeder Menge Gerüchte und Aufregungen war es soweit. Eröffnet wurde die große Gala mit Vorjahressiegerin Marija Serifovic und ihrem Siegertitel Molitva - in einer unerwarteten Version. Disco statt Drama hieß das Thema. A capella begann sie ihren Song, dann kam der Disco-Sound: In einer Remix-Version sorgte sie für einen stimmungsvollen Einstieg in der Belgrad Arena. Dann begrüßten die Moderatoren Jovana Jankovi? und Željko Joksimovi das Publikum – natürlich ganz im klassischen Grand Prix Stil, auf Englisch und Französisch. Lange hielten sie sich nicht auf, "Let the show begin!" und die rumänischen Teilnehmer, Nico und Vlad Marita, begannen den Wettbewerb mit ihrer ruhigen Ballade "Pe-o margine de lume".
Die Bühne verwandelte sich bei dem Briten Andy Abraham in einen großen aufgeklappten Zauberwürfel. Zu seiner R'n'B-Nummer "Even If" blinkte die in Vierecke aufgeteilte Bühne in bunten Farben. Für manche überraschend war der Einzug der jüngsten Teilnehmerin des Wettbewerbs, der 16-jährigen Olta Boka aus Albanien. Die Aufregung bei ihrer kraftvollen Ballade war dann aber doch etwas zu merken, nicht jeder Ton saß so, wie er sollte.
Dann hieß es Daumen drücken Deutschland: Sandy, Jessica, Lucy und Nadja mussten mit der Startnummer vier auf die Bühne. In ihren wehenden Kleidern präsentierten sie ihren Beitrag "Disappear". Aber sie konnten nicht überzeugen: Magere 14 Punkte bekamen die No Angels bei der Stimmenvergabe der 43 Länder - Platz 23 bedeutet das am Ende, den sich Deutschland mit Polen und Großbritannien teilt. Stimmlich sicherer als noch im Halbfinale, aber nicht wirklich einer Favoritenrolle gerecht werdend, folgte die Armenierin Siruhso mit "Qele qele". Einer der originellsten Beiträge des diesjährigen Contest kam aus Bosnien-Herzegowina: Laka mit "Pokusaj". Vier strickende Bräute dazu die Schwester des Sängers legten auf der Bühne ein Show hin, die zwischen Kabarett und Varieté anzusiedeln war - und ganz ohne Pyrotechnik und Windmaschine auskam. Am Ende stand das Wort "Love" auf Kleidungsstücken, die auf einer Wäscheleine hingen.
Vor zehn Jahren gewann Dana International den ESC - in diesem Jahr schrieb sie den Song für den israelischen Kandidaten Boaz Mauda. "The Fire in Your Eyes", so der Titel. Die Freude an seinem Auftritt war Mauda anzumerken, er strahlte in die Kameras. Lordi reloaded? "Missä miehet ratsastaa", die finnische Heavy-Metal-Combo Teräsbetoni rockte zu Pyrotechnik mit ihrem Song die Belgrad Arena. Der Balkan fiel in diesem Jahr mit einem weiteren originellen Beitrag auf: Kraljevi ulice feat. 75 Cents aus Kroatien trat mit einem ungewöhnlichen Act an. Ehemalige Straßenmusiker mit dem ältesten Teilnehmer, 75 Cents, sangen ihr "Romanca". Ein Song im New Tango Stil, dazu ein 75 Cents, der auf einem Grammophon scratcht.
Türkischer Rock und portugiesische Balladen
Discobeat der 90er-Jahre kam aus Island. Zu "This Is My Life" tanzten und wirbelten "Euroband" über die Bühne. Statt Oriental-Pop bot die Türkei in diesem Jahr – nach Athena 2004 - wieder Rock an. Die in ihrer Heimat politisch engagierten "Mor ve Ötesi" sangen "Deli" - was soviel wie verrückt heißt. Alles andere als verrückt, sondern erfrischend und lebendig, präsentierten die Jungs aus der Türkei ihren Song. Im klassischen Grand Prix Stil kam Portugal auf die Bühne. Erstmals seit 2004 wieder im Finale vertreten, besang Vânia Fernandes die Frau des Meeres - "Senhora do mar", so der Titel.
Mit Spannung wurde der Auftritt der Schwedin Charlotte Perrelli erwartet: Die ESC-Siegerin von 1999, die in ihrer Perfomance sich ganz und gar auf Glamour und Glitzer verlegt hatte, wollte mit "Hero" Johnny Logan nacheifern. Logan ist der einzige Teilnehmer, der zweimal den Grand Prix gewinnen konnte. Ihre Hand umklammerte fest das mit Strass besetzte Mikrofon und sie präsentierte eine wesentlich bessere Leistung als noch im Halbfinale. Aber es reichte nicht. Den ersten Kostümwechsel des Abends zeigte die Georgierin Diana Gurtskaya. Sie begann ihren Song "Peace Will Come" in Schwarz - und passend zum Titel stand sie am Ende ganz in Weiß da. Erst zum zweiten Mal war Georgien beim ESC vertreten. Was Verka Serduchka im vergangenen Jahr schaffte, nämlich den zweiten Platz zu erreichen, wollte Ani Lorak in diesem Jahr noch besser machen: Sie wollte gewinnen. Ihre stimmungsvolle Pop-Nummer "Shady Lady" und die gelungene Bühnenshow reichten aber nicht für den Sieg - aber immerhin erneut für den zweiten Platz.
Hugo Chavez tanzt den Chiki Chiki
Frankreich ging in diesem Jahr neue Wege: Kein Chanson, nicht einmal französisch wurde gesungen. Mit Sébastien Tellier präsentierte die Grande Nation Elektro-Pop. Der bärtige Sänger fuhr im Golf-Buggy auf die Bühne, dort standen bereits seine Background-Sängerinnen: in schwarzen Anzügen und mit Vollbart, einem, wie Tellier auch trägt. Dass der ESC-Neuling Aserbaidschan es ernst mit seiner Teilnahme meinte, zeigte sich im Act von Elnur und Samir. Mit ihrem Engel-Teufel-Spiel demonstrierten sie, dass sie zahlreiche Grand Prix Beiträge ausführlich studiert hatten. Pyrotechnik – klar, die durfte nicht fehlen, denn es ging ja um die Hölle. Hoch gewettet wurde die griechische Teilnehmerin Kalomira. Die Gewinnerin einer Casting-Show wollte mit "Secret Combination" den Erfolg von Helena Paparizou wiederholen. Vor einem großen fliederfarbenen Herz tanzte sie und schwang ihre Hüften.
Kein Geheimfavorit, aber für Überraschungen gut, war der spanische Teilnehmer Rodolfo Chikilicuatre. Die Kunstfigur mit einer Kindergitarre aus Plastik tanzte seinen Chiki Chiki, begleitet von fünf Tänzerinnen. Chiki Chiki tanzt, glaubt man Rodolfo, auch Hugo Chavez.
Großer Jubel brandete bei der Titelverteidigerin Serbiens auf: Jelena Tomasevic sang ihre Ballade "Oro" - die übrigens vom Moderator des Abends, Željko Joksimovi, geschrieben wurde. Ihr folgte Dima Bilan. In weißem Outfit rekelte er sich auf einer Kunsteisbahn, während im Hintergrund ein Geiger auf einer echten Stradivari spielte und um ihn herum Eiskunstläufer Jewgeni Plutschenko Pirouetten drehte. Russland setzte auf Sieg - und das Konzept ging auf. Dima Bilan holte erstmals den ESC nach Russland. Beendet wurde der Wettbewerb von der Norwegerin Maria Haukaas Storeng.
Während des Votings verkürzte der wohl berühmteste Musiker des südöstlichen Europas die Wartezeit: Goran Bregovic und sein "Wedding and Funeral Orchestr" hielt mit seinem Balkan-Sound die Stimmung in der Belgrad-Arena am Kochen.
Autorin/Autor: Matthias Stelte